X ist in der Pflanzenwelt ein Sonderfall: Deutsche Pflanzennamen mit X gibt es praktisch nicht. Wer trotzdem fündig werden will, muss auf die wissenschaftlichen Namen ausweichen – und dort wird es überraschend ergiebig. Von den Grasbäumen Australiens über Auferstehungspflanzen bis zu einer Zypresse, die erst 2002 entdeckt wurde.
Alle folgenden Arten sind in der wissenschaftlichen Taxonomie anerkannt. Wo ein deutscher oder ein Handelsname existiert, steht er vorne; sonst führt der wissenschaftliche Name die Art an.
Pflanzen mit X im Überblick
- Grasbäume (Xanthorrhoea)
Die bekannteste Pflanzengattung mit X und ein Wahrzeichen Australiens. Der Gattungsname setzt sich aus den griechischen Wörtern xanthos für gelb und rhoe für fließen zusammen und verweist auf das austretende Harz. Die rund 28 Arten kommen ausschließlich auf dem australischen Kontinent vor. Das Harz nutzten die Aborigines traditionell als Klebstoff. - Schwarzer Grasbaum (Xanthorrhoea preissii)
Eine Art aus Westaustralien. Ihr Harz wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert kommerziell gesammelt und unter anderem für Lacke und Polituren verwendet. - Einjährige Spreublume (Xeranthemum annuum)
Auch Einjährige Papierblume oder Einjährige Strohblume genannt. Der Korbblütler ist eine klassische Trockenblume: Seine Blütenkörbe behalten Form und Farbe auch getrocknet, weshalb er in Trockensträußen beliebt ist. - Spreublume (Xeranthemum cylindraceum)
Eine weitere Art der Gattung Spreublumen, die auf steinigen, trockenen Böden Südeuropas wächst. - Gemeine Spitzklette (Xanthium strumarium)
Ein Korbblütler, dessen Früchte mit Widerhaken besetzt sind und sich im Fell von Tieren festsetzen. So verbreitet die Pflanze ihre Samen – ein Prinzip, das die Botanik Epichorie nennt. - Dornige Spitzklette (Xanthium spinosum)
Auch Stachel-Spitzklette genannt. Sie trägt auffällige dreiteilige Dornen an den Stängeln und gilt vielerorts als schwer zu bekämpfendes Unkraut. - Orientalische Spitzklette (Xanthium orientale)
Eine weit verbreitete Spitzklette. Unter dem Namen Xanthium italicum wird sie zwar häufig separat geführt, das ist nach heutiger Taxonomie aber nur ein Synonym derselben Art. - Malanga (Xanthosoma sagittifolium)
Eine tropische Knollenpflanze aus der Familie der Aronstabgewächse, die als Grundnahrungsmittel dient. Ihre stärkereichen Knollen werden gekocht oder gebacken, die jungen Blätter in einigen Küchen als Gemüse verwendet. Die im Handel als violette oder rosa Malanga geführten Formen gehören botanisch zur selben Art. - Caracu-Malanga (Xanthosoma caracu)
Eine eigenständige Art der Gattung Xanthosoma, die ebenfalls wegen ihrer Knollen und ihrer dekorativen Blätter kultiviert wird. - Ximenia (Ximenia americana)
Ein Strauch oder kleiner Baum aus der Ordnung der Sandelholzartigen. Er kommt in den Tropen Süd- und Mittelamerikas, Floridas, weiten Teilen Afrikas, Indiens sowie im nordöstlichen Australien und in Ozeanien vor. Die säuerlichen Früchte sind essbar, aus den Samen wird ein Öl für die Hautpflege gewonnen. - Sauerpflaume (Ximenia caffra)
Eine afrikanische Verwandte mit vitaminreichen, säuerlichen Früchten. Ihr hartes Holz wird für Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände verwendet. - Ximenia aegyptiaca (Ximenia aegyptiaca)
Ein kleiner, trockenheitsverträglicher Baum, der in ariden Gebieten Schatten spendet und essbare Früchte trägt. - Selimskörner (Xylopia aethiopica)
Ein Baum aus der Familie der Annonengewächse, dessen scharfe, pfeffrig schmeckende Früchte in West- und Zentralafrika als Gewürz dienen. Im Handel begegnen dir die Namen Selimskörner, Senegalpfeffer, Guineapfeffer oder Kanipfeffer. Der Gattungsname leitet sich von griechisch xylon für Holz und pikron für bitter ab. Das Artepitheton aethiopica meint übrigens nicht das heutige Äthiopien, sondern in historischer Bedeutung weite Teile Afrikas. - Xylopia sericea (Xylopia sericea)
Ein südamerikanischer Verwandter mit seidig behaarten Blättern und aromatischen Früchten. - Mangroven-Holzapfel (Xylocarpus granatum)
Ein Mangrovenbaum mit auffällig großen, kugelförmigen Früchten, die an Kanonenkugeln erinnern. Seine Wurzeln stabilisieren Küstenböden und schützen vor Erosion. - Xylocarpus moluccensis (Xylocarpus moluccensis)
Ein weiterer Mangrovenbaum Südostasiens. Er wird häufig unter dem Namen Xylocarpus mekongensis geführt, was nach heutiger Taxonomie ein Synonym ist. - Gelbhorn (Xanthoceras sorbifolium)
Ein Strauch aus Nordchina, der als einzige Art seiner Gattung gilt. Er trägt dekorative weiße Blüten mit rotem Zentrum und ölreiche Samen, die geröstet gegessen werden. Als Ölpflanze für karge Böden weckt er zunehmend wirtschaftliches Interesse. - Vietnamesische Goldzypresse (Xanthocyparis vietnamensis)
Ein Zypressengewächs, das erst 2002 wissenschaftlich beschrieben wurde – eine botanische Sensation, weil neue Nadelbaumarten extrem selten entdeckt werden. Sie wächst nur im nördlichen Vietnam und gilt als stark gefährdet. - Xerophyta retinervis (Xerophyta retinervis)
Eine Auferstehungspflanze aus dem südlichen Afrika. Sie übersteht monatelange Dürre in ausgetrocknetem Zustand und ergrünt nach Regen innerhalb weniger Tage wieder. - Xerophyta viscosa (Xerophyta viscosa)
Ebenfalls eine Auferstehungspflanze. Ihre Fähigkeit, fast vollständige Austrocknung zu überleben, macht sie für die Trockenstressforschung interessant. - Xerophyta humilis (Xerophyta humilis)
Eine kleine, unscheinbare Verwandte, die in extremen Lebensräumen auf Felsen gedeiht. - Xylotheca kraussiana (Xylotheca kraussiana)
Ein afrikanischer Strauch, auch African dog-rose genannt, mit auffälligen weißen, duftenden Blüten. - Xylosma racemosum (Xylosma racemosum)
Ein dekorativer Strauch mit glänzenden Blättern, der sich für Hecken eignet. In der Literatur findest du ihn auch als Xylosma congesta. - Catunaregam spinosa (Catunaregam spinosa)
Ein dorniger Strauch mit duftenden Blüten aus trockenen Regionen Asiens und Afrikas. Der ältere Name Xeromphis spinosa ist heute ein Synonym. - Xerophyllum (Xerophyllum)
Die einzige Gattung ihrer Tribus innerhalb der Germergewächse. Die beiden Arten wachsen in Nordamerika, wo sie mit ihren grasartigen Blättern und hohen weißen Blütenständen auffallen. - Xiquexique (Xiquexique gounellei)
Ein Kaktus aus dem trockenen Nordosten Brasiliens. Sein Artepitheton ehrt den französischen Entomologen Pierre-Émile Gounelle. Vor Ort heißt er Xique-Xique und dient in Dürrezeiten als Viehfutter. - Xiphidium caeruleum (Xiphidium caeruleum)
Eine tropische Staude Mittel- und Südamerikas mit schwertförmigen Blättern und weißen Blüten. - Xylia xylocarpa (Xylia xylocarpa)
Ein Hülsenfrüchtler Südostasiens, dessen außergewöhnlich hartes und schweres Holz als Ironwood gehandelt wird. - Xanthophyllum amoenum (Xanthophyllum amoenum)
Ein Baum der südostasiatischen Regenwälder aus der Familie der Kreuzblumengewächse. - Xeronema (Xeronema)
Eine Gattung mit nur zwei Arten, die auf Neuseeland und Neukaledonien beschränkt sind. Ihre leuchtend roten, einseitswendigen Blütenstände sind unverwechselbar.
Die Klette und der Klettverschluss: eine oft falsch erzählte Geschichte
Weil die Spitzkletten (Xanthium) Widerhaken tragen, werden sie regelmäßig als Vorbild für den Klettverschluss genannt. Das stimmt so nicht. Der Schweizer Ingenieur George de Mestral kam auf die Idee, nachdem sich die Früchte der Großen Klette (Arctium lappa) im Fell seines Hundes verhakt hatten. 1951 meldete er die textile Umsetzung zum Patent an. Die Große Klette ist ein Korbblütler wie die Spitzklette, gehört aber einer anderen Gattung an – und beginnt mit K.
Das Prinzip dahinter teilen beide Pflanzen: Widerhaken lassen die Früchte im Fell vorbeistreifender Tiere hängen, die die Samen dann verschleppen.
Was oft fälschlich in X-Listen auftaucht
Bei einem so seltenen Buchstaben werden Listen gern mit Einträgen gefüllt, die einer Prüfung nicht standhalten. Drei Muster begegnen dir häufig:
Erfundene Arten. Ein Xanthoceras latifolium etwa existiert nicht – die Gattung Xanthoceras gilt als monotypisch, sie enthält nur Xanthoceras sorbifolium. Auch eine Xerophyta speciosa ist in den Taxonomie-Datenbanken nicht zu finden.
Synonyme als eigene Arten. Xanthosoma violaceum und Xanthosoma roseum werden oft als eigenständige Arten aufgeführt. Beide gelten heute als Synonyme von Xanthosoma sagittifolium – dieselbe Pflanze also, nur unter drei Namen.
Gar keine Pflanzen. Xylosandrus compactus taucht regelmäßig in Pflanzenlisten auf. Es handelt sich um einen Käfer aus der Familie der Rüsselkäfer, der Kaffeepflanzen befällt – ein Tier also, keine Pflanze. Ähnlich verhält es sich mit Xanthoria parietina, der Gewöhnlichen Gelbflechte: Flechten sind Lebensgemeinschaften aus Pilz und Alge und botanisch keine Pflanzen. Und Xylella fastidiosa, das Feuerbakterium, ist ein Bakterium – allerdings eines mit erheblicher Bedeutung, weil es über 700 Pflanzenarten befällt und unter anderem die Pierce-Krankheit an Rebstöcken auslöst.
Fazit
Pflanzen mit X findest du fast nur über die wissenschaftliche Nomenklatur – und gerade deshalb lohnt sich der Blick. Die Grasbäume prägen ganze Landschaften Australiens, die Xerophyta-Arten überleben Dürren, die kaum eine andere Pflanze übersteht, und mit der Vietnamesischen Goldzypresse ist unter X eine der wenigen Nadelbaumarten vertreten, die in diesem Jahrhundert neu beschrieben wurden. Wer bei X nur Lückenfüller erwartet, unterschätzt den Buchstaben.
