Der Buchstabe U ist in der Pflanzenwelt ein echter Sonderfall. Während sich zu B oder S mühelos hunderte Arten finden lassen, wird die Luft bei U schnell dünn. Trotzdem gibt es weit mehr als nur die Ulme: Hier findest du echte Arten mit U, vom heimischen Baum über die Zimmerpflanze auf der Fensterbank bis zur Wüstenpflanze, die nach Monaten der Trockenheit wieder ergrünt.
Alle hier genannten deutschen Namen sind botanisch gebräuchliche Bezeichnungen, keine frei übersetzten Fantasienamen. Der wissenschaftliche Name steht jeweils dahinter, damit du jede Art eindeutig nachschlagen kannst.
Pflanzen mit U im Überblick
- Ulme (Ulmus)
Die Ulmen sind die naheliegendste Antwort auf die Frage nach Pflanzen mit U. Regional heißen sie auch Rüster oder Effe. In Mitteleuropa wachsen drei Arten: Flatterulme, Feldulme und Bergulme. Seit Jahrzehnten setzt ihnen das Ulmensterben zu, eine durch Pilze ausgelöste Krankheit, die von Borkenkäfern übertragen wird. - Flatterulme (Ulmus laevis)
Auch Flatterrüster oder Weißrüster genannt. Sie war 2019 Baum des Jahres in Deutschland. In manchen Regionen gilt ihr Bestand als rückläufig und gefährdet. Ihren Namen verdankt sie den langen Blütenstielen, an denen die Blüten im Wind flattern. - Bergulme (Ulmus glabra)
Ein großer Baum aus der Familie der Ulmengewächse, der vom Ulmensterben stark bedroht wird. Sie kommt vor allem in feuchten Schluchtwäldern und Bergmischwäldern vor. - Feldulme (Ulmus minor)
Auch unter dem alten Namen Iper bekannt. Der Laubbaum wächst in Auwäldern und Hecken und ist wie ihre Verwandten stark vom Ulmensterben betroffen. - Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides)
Ein lebendes Fossil und die Sensation der Botanikgeschichte: Der Baum war nur aus Fossilienfunden bekannt, bis er 1941 in einer abgelegenen Bergregion Chinas entdeckt wurde. Er ist die einzige heute noch lebende Art seiner Gattung und gehört zu den Zypressengewächsen. Weitere Namen sind Chinesisches Rotholz, Wassertanne oder Wasserlärche. - Usambaraveilchen (Saintpaulia ionantha)
Die Zimmerpflanze stammt aus den Usambara-Bergen in Tansania, wo sie endemisch vorkommt. Ein verbreiteter Irrtum: Mit den echten Veilchen ist sie überhaupt nicht verwandt. Sie gehört zu den Gesneriengewächsen. Der Namensteil Veilchen bezieht sich nur auf die veilchenblaue Farbe der ersten bekannten Exemplare. - Ufer-Rebe (Vitis riparia)
Diese Wildrebe aus den USA hat Weinbaugeschichte geschrieben. Sie ist reblausfest und lässt sich gut bewurzeln, weshalb Selektionen aus ihr zu den ersten Veredlungsunterlagen zählten. Ihre geringe Kalkverträglichkeit schränkt den direkten Einsatz zwar ein, doch Kreuzungen mit ihr dominieren bis heute die Unterlagensorten. - Ume (Prunus mume)
Auch Japanische Aprikose oder Winterkirsche genannt. Der Baum stammt ursprünglich aus China und wird in Japan seit alter Zeit wegen seiner Blüten und Früchte kultiviert. Allein in Japan gibt es mehr als 300 Kultursorten. Aus den Früchten entstehen unter anderem eingelegte Umeboshi. - Uzara (Xysmalobium undulatum)
Eine Heilpflanze, die von Kenia bis Südafrika verbreitet ist. Die südafrikanische Volksmedizin nutzt Zubereitungen aus ihrer Wurzel seit Generationen. In Deutschland wird seit 1911 ein Trockenextrakt aus der Uzara-Wurzel gewonnen, der unter anderem bei Durchfallerkrankungen eingesetzt wird. - Unechte Rose von Jericho (Selaginella lepidophylla)
Eine sogenannte Auferstehungspflanze aus den Wüsten von Arizona über Texas bis Mexiko. Sie trocknet zu einem Ballen ein und ergrünt bei Feuchtigkeit wieder. Im Handel wird sie oft schlicht als Rose von Jericho verkauft, was botanisch falsch ist: Die echte Rose von Jericho ist ein Kreuzblütler aus dem Nahen Osten und Nordafrika. - Upasbaum (Antiaris toxicaria)
Bekannt auch als Javanischer Giftbaum oder Antiarbaum. Er ist die einzige Art seiner Gattung und gehört zu den Maulbeergewächsen. Sein Milchsaft wurde traditionell als Pfeilgift verwendet. - Urdbohne (Vigna mungo)
Auch Linsenbohne genannt. Die Nutzpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler ist eng mit der Mungbohne verwandt und in der südasiatischen Küche ein Grundnahrungsmittel. - Umbu (Spondias tuberosa)
Die Frucht des Umbu-Baums, einer ausschließlich in Brasilien verbreiteten Art aus der Familie der Sumachgewächse. Der Name stammt aus der Tupí-Sprache: y-mb-u bedeutet sinngemäß der Baum, der Wasser gibt. Seine Wurzelknollen speichern Wasser und helfen ihm durch die Trockenzeit. - Ungarischer Flieder (Syringa josikaea)
Ein Strauch mit lilapurpurnen Blüten aus der Familie der Ölbaumgewächse. Sein natürliches Verbreitungsgebiet liegt in Ost- und Südosteuropa, als Zierstrauch findet er sich in vielen Gärten. - Ungarische Eiche (Quercus frainetto)
Eine Laubbaum-Art aus der Familie der Buchengewächse, die in Südosteuropa heimisch ist. In der Literatur begegnen dir auch die Synonyme Quercus conferta und Quercus pannonica. - Utah-Wacholder (Juniperus osteosperma)
Ein Zypressengewächs aus dem westlichen Nordamerika. Der genügsame Baum prägt die trockenen Hochebenen des Great Basin. - Ufer-Segge (Carex riparia)
Ein Sauergrasgewächs, das auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet ist. Die Segge wächst an Gewässerrändern, befestigt dort mit ihren Rhizomen den Boden und bietet Lebensraum für zahlreiche Tiere. - Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus)
Auch Gemeiner Wolfstrapp genannt. Der Lippenblütler wächst an Ufern und in Sümpfen und fällt durch seine kleinen weißen Blüten in dichten Scheinquirlen auf. - Ufer-Hahnenfuß (Ranunculus reptans)
Ein in Eurasien weitverbreiteter Hahnenfuß, der mit kriechenden Ausläufern flache Ufer besiedelt. - Ufer-Ampfer (Rumex maritimus)
Auch Strand-Ampfer genannt. Das Knöterichgewächs besiedelt schlammige Ufer und trockenfallende Teichböden, wo es oft in großer Zahl auftritt. - Ufer-Schachtelhalm (Equisetum x litorale)
Eine natürliche Hybride aus Acker-Schachtelhalm und Teich-Schachtelhalm. Sie zeigt, wie fließend die Grenzen zwischen nah verwandten Arten sein können. - Ungarische Rauke (Sisymbrium altissimum)
Auch Hohe Rauke genannt. Der Kreuzblütler ist in Eurasien weitverbreitet und gilt in Nordamerika als Neophyt, wo er sich stark ausgebreitet hat. - Ungarische Zeitlose (Colchicum hungaricum)
Eine Art aus der Familie der Zeitlosengewächse. Wie ihre Verwandten enthält sie Colchicin und ist damit in allen Teilen giftig. - Ungarische Wicke (Vicia pannonica)
Auch Pannonische Wicke genannt. Sie ist von Algerien über Europa bis Westasien verbreitet. Im deutschen Sprachraum ist sie nur im pannonischen Gebiet Österreichs heimisch und tritt sonst unbeständig auf. - Ungarische Platterbse (Lathyrus pannonicus)
Auch Pannonien-Platterbse genannt, ein Schmetterlingsblütler aus der Gattung der Platterbsen. - Ungarischer Andorn (Marrubium peregrinum)
Auch Grau-Andorn oder Pannonischer Andorn genannt. Der Lippenblütler wächst an trockenen, sonnigen Standorten. - Ungarn-Salbei (Salvia aethiopis)
Auch Ungarischer Salbei genannt. Der Salbei ist von Südwesteuropa bis Zentralasien verbreitet und fällt durch seine dicht weißfilzigen Blätter auf. - Ungarische Wiesen-Schafgarbe (Achillea pannonica)
Ein Korbblütler aus der Gattung der Schafgarben, der auf Trockenrasen und mageren Wiesen wächst. - Ukrainische Schachblume (Fritillaria ruthenica)
Ein Liliengewächs, das gelegentlich als Zierpflanze kultiviert wird. Das Artepitheton ruthenica verweist auf die Landschaft Ruthenien. - Ural-Milchlattich (Cicerbita uralensis)
Ein Korbblütler, der in die Rote Liste der bedrohten Arten des Mittleren Ural aufgenommen wurde. - Ungleichblättriges Labkraut (Galium anisophyllon)
Auch Alpen-Labkraut genannt. Das Rötegewächs wächst in den Gebirgen Mitteleuropas. - Untergetauchtes Sternlebermoos (Riccia fluitans)
Auch Flutendes Teichlebermoos genannt. Das Lebermoos schwimmt auf dem Wasser oder wächst untergetaucht und ist in der Aquaristik beliebt. Im Herbst sinkt es auf den Gewässergrund und treibt im Frühjahr aus den überdauernden Thallusspitzen neu aus.
Warum gibt es so wenige Pflanzen mit U?
Das liegt an der Herkunft der Namen. Viele deutsche Pflanzennamen sind zusammengesetzt und beschreiben einen Standort, eine Eigenschaft oder eine Region. Bei U funktioniert das nur über wenige Bausteine: Ufer- für Pflanzen an Gewässerrändern, Ungarisch- beziehungsweise Pannonisch- für Arten aus dem pannonischen Raum, Ural- und Usambara- für Herkunftsgebiete. Fast alle deutschen U-Namen lassen sich auf eines dieser Muster zurückführen.
Dazu kommt: Der Buchstabe U steht im Deutschen selten am Wortanfang. Diese Lücke ist der Grund, warum in vielen Listen im Netz erfundene Namen auftauchen. Wer Ajuga reptans zum Unkräutergünsel macht, hat die Liste zwar gefüllt, aber die Art heißt korrekt Kriechender Günsel und gehört damit unter K.
Zwei Grenzfälle, die oft mitgezählt werden
Der Stechginster trägt die Gattungsbezeichnung Ulex und taucht deshalb oft in U-Listen auf. Sein deutscher Name beginnt allerdings mit S. Seine leuchtend gelben Blüten duften tatsächlich nach Kokos, und in heißen Sommern gilt er als brandgefährlich, weil seine grünen Zweige zwei bis vier Prozent leicht entzündliche Öle enthalten.
Die Bartflechte (Usnea) wird ebenfalls häufig aufgeführt. Sie ist aber gar keine Pflanze, sondern eine Lebensgemeinschaft aus Pilz und Alge. Botanisch gehört sie damit nicht in eine Pflanzenliste, so eindrucksvoll sie an alten Ästen auch aussieht.
Fazit
Pflanzen mit U gibt es weniger als bei anderen Buchstaben, aber die vorhandenen haben es in sich. Der Urweltmammutbaum galt als ausgestorben, bis man ihn 1941 lebend fand. Die Ufer-Rebe hat den europäischen Weinbau nach der Reblauskatastrophe gerettet. Und das Usambaraveilchen steht auf Millionen Fensterbänken, ohne mit einem Veilchen verwandt zu sein. Wer bei U genauer hinschaut, findet also keine Notlösungen, sondern einige der spannendsten Arten überhaupt.
