I ist ein ergiebiger Buchstabe – vom Ingwer in der Küche über die Stechpalme im Garten bis zur Lotosblume, die einem ganzen physikalischen Effekt ihren Namen gegeben hat. Hier findest du echte Arten mit I, jeweils mit wissenschaftlichem Namen, damit du sie eindeutig zuordnen kannst.
Indisch oder indianisch? Der häufigste Fehler bei I-Pflanzen
Bei kaum einem Buchstaben wird so viel durcheinandergebracht wie bei I. Das liegt an zwei Wortstämmen, die sich ähneln, aber Gegensätzliches bedeuten: Indisch verweist auf Indien und Südasien, indianisch auf die indigenen Völker Nordamerikas. Die Indianernessel stammt aus Nordamerika, das Indische Basilikum aus Asien – wer die Vorsilben vertauscht, schickt die Pflanze auf den falschen Kontinent.
Kurios wird es beim Indischen Blumenrohr (Canna indica). Es kommt aus Mexiko und Zentralamerika und trägt seinen Namen nur, weil Kolumbus glaubte, in Indien gelandet zu sein. Der Irrtum steckt bis heute im botanischen Artnamen.
Pflanzen mit I im Überblick
- Ingwer (Zingiber officinale)
Die bekannteste Pflanze mit I. Verwendet wird das Rhizom, also der unterirdische Hauptspross – botanisch keine Wurzel, auch wenn alle von Ingwerwurzel sprechen. In der Apotheke läuft es als Zingiberis rhizoma. Alte deutsche Namen sind Ingber und Imber. - Stechpalme (Ilex)
Die einzige Gattung der Stechpalmengewächse, regional auch Hülse, Christdorn oder Winterbeere genannt. Die Zweige mit den roten Früchten sind klassische Weihnachtsdekoration. In Mitteleuropa ist nur eine Art heimisch: die Europäische Stechpalme. - Immergrün (Vinca)
Eine Gattung der Hundsgiftgewächse und eine von nur zwei Gattungen dieser überwiegend tropischen Familie, die auch in Mitteleuropa vorkommen. Als Bodendecker im Schatten kaum zu schlagen. - Indische Lotosblume (Nelumbo nucifera)
Symbolpflanze Asiens und Namensgeberin des Lotoseffekts: Ihre Blätter sind so fein strukturiert, dass Wasser abperlt und Schmutz mitnimmt. Trotz der Ähnlichkeit ist sie keine Seerose, sondern gehört zu einer eigenen Familie, den Lotosgewächsen. - Indianerbanane (Asimina triloba)
Botanisch Dreilappige Papau, im Handel auch Pawpaw. Die Art ist in Nordamerika heimisch und wurde von den Ureinwohnern kultiviert – daher der Name. Ihre Früchte schmecken tropisch nach Banane und Mango, obwohl der Baum bei uns winterhart ist. Mit der Banane ist sie nicht verwandt, sie gehört zu den Annonengewächsen. - Indianernessel (Monarda didyma)
Auch Goldmelisse oder Scharlach-Monarde genannt. Der Lippenblütler stammt aus Nordamerika, trägt leuchtend rote Blüten und ist eine der besten Bienenweiden im Staudenbeet. - Indianertabak (Lobelia inflata)
Auch Aufgeblasene Lobelie genannt. Trotz des Namens hat die giftige Pflanze botanisch nichts mit Tabak zu tun: Sie gehört zu den Glockenblumengewächsen, Tabak zu den Nachtschattengewächsen. - Indigopflanze (Indigofera tinctoria)
Der Lieferant des klassischen Indigoblaus, mit dem Jeans gefärbt wurden, bevor synthetisches Indigo aufkam. Der Schmetterlingsblütler stammt neben Indien auch aus dem tropischen Afrika und aus China. - Indisches Basilikum (Ocimum tenuiflorum)
Besser bekannt als Tulsi oder Heiliges Basilikum. Im Hinduismus gilt die Pflanze als heilig. Ihr natürliches Vorkommen reicht vom tropischen Asien bis ins nördliche Australien. - Indischer Wassernabel (Centella asiatica)
Auch Tigergras oder Gotu Kola genannt. Der Doldenblütler wird in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet und ist zuletzt auch in Europa als Kosmetikzutat populär geworden. - Indische Schlangenwurzel (Rauvolfia serpentina)
Eine Heilpflanze mit Wirkungsgeschichte: Aus ihr wurde das Alkaloid Reserpin isoliert, das in der Medizin des 20. Jahrhunderts gegen Bluthochdruck eingesetzt wurde. Nicht zu verwechseln mit der Trauben-Silberkerze, die ebenfalls Schlangenwurzel genannt wird. - Indische Narde (Nardostachys jatamansi)
Auch Nardenähre oder Speik genannt. Ihr Rhizom wurde schon in der Antike aus dem Himalaya bis in den Mittelmeerraum gehandelt und zu kostbaren Ölen und Salben verarbeitet. Sie wird bis heute in der asiatischen Medizin genutzt. - Indisches Patschuli (Pogostemon cablin)
Der Lippenblütler liefert das Patschuliöl, einen der markantesten Duftstoffe der Parfümerie. - Indisches Blumenrohr (Canna indica)
Ein Musterbeispiel für botanische Namensverwirrung: Die Art stammt gar nicht aus Indien, sondern aus Mexiko und Zentralamerika. Der Name geht auf den Irrtum zurück, Kolumbus sei in Westindien gelandet. Seit rund 200 Jahren wird intensiv gezüchtet, etwa 1.000 Sorten sind eingetragen. - Indischer Hanf (Cannabis indica)
Ob es sich um eine eigene Art oder eine Unterart von Cannabis sativa handelt, ist bis heute umstritten – Wild- und Kulturformen sind morphologisch sehr variabel, was die Taxonomie der Gattung schwierig macht. - Indischer Spinat (Basella alba)
Auch Malabarspinat oder Ceylonspinat genannt. Die Kletterpflanze wird in den Tropen angebaut, ihre jungen Blätter werden als Kochgemüse verwendet. Mit echtem Spinat ist sie nicht verwandt. - Indische Quitte (Aegle marmelos)
Botanisch Bengalische Quitte, auch Belbaum oder Madjobaum genannt. Das Rautengewächs trägt aromatische Früchte, die als Obst gegessen und medizinisch verwendet werden. In Indien gilt der Baum als heilig. - Indische Rosskastanie (Aesculus indica)
Eine Rosskastanie aus dem Himalaya, die später blüht als die bei uns bekannte Gewöhnliche Rosskastanie. - Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera)
Botanisch Drüsiges Springkraut, auch Himalaya-Balsamine. Es stammt vom indischen Subkontinent und kam im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa. Heute wird es vielerorts als invasiver Neophyt bekämpft. Seine reifen Kapseln schleudern die Samen bei Berührung meterweit fort – daher der Name. - Niembaum (Azadirachta indica)
Unspezifisch auch Indischer Flieder genannt, geläufiger ist Neem. Die wirkstoffreichen Pflanzenteile werden in Medizin und Landwirtschaft genutzt, Niemöl ist ein verbreitetes Pflanzenschutzmittel im Bio-Anbau. - Inkalilien (Alstroemeria)
Rund 126 Arten, benannt von Carl von Linné zu Ehren des schwedischen Kaufmanns und Botanikers Claes Alströmer. Aus wenigen Arten wurden zahlreiche Sorten gezüchtet – als Schnittblume ist die Inkalilie extrem haltbar. - Inkarnat-Klee (Trifolium incarnatum)
Auch Blutklee oder Rosenklee genannt. Der Klee mit den leuchtend karminroten Blütenköpfen stammt aus dem westlichen Mittelmeerraum und wird als Futterpflanze und Gründünger angebaut. - Immenblatt (Melittis melissophyllum)
Auch Bastardmelisse genannt, die einzige Art ihrer Gattung. Der Name verrät den Nutzen: Imme ist das alte deutsche Wort für Biene. - Immergrüne Magnolie (Magnolia grandiflora)
Ein immergrüner Baum aus dem Südosten Nordamerikas mit großen, cremeweißen Blüten. Dort gilt sie als Charakterpflanze der Südstaaten. - Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens)
Ein Kreuzblütler aus Europa, der im Frühjahr dichte weiße Blütenpolster bildet. Ein Klassiker für Steingarten und Mauerkrone. - Igelkolben (Sparganium)
Wasser- und Sumpfpflanzen, die dichte Bestände bilden. Ihre geschnäbelten Früchte stehen als Kugel mit nach außen gerichteten Spitzen zusammen – daher der Name. - Islandmohn (Papaver nudicaule)
Auch Nacktstängeliger Mohn genannt. Die subarktische Art blüht je nach Unterart hellgelb, weiß oder orangegelb bis rot. - Italienische Strohblume (Helichrysum italicum)
Auch Currykraut genannt, weil ihr Duft an Curry erinnert. Der Korbblütler stammt aus dem Mittelmeerraum und wird als Gewürzpflanze genutzt. - Italienisches Raygras (Lolium multiflorum)
Auch Welsches Weidelgras. Eines der wichtigsten Futtergräser überhaupt: schnellwüchsig, ertragreich und deshalb im Feldfutterbau weit verbreitet. - Italienisches Knabenkraut (Orchis italica)
Eine Orchidee des gesamten Mittelmeergebiets. Das Artepitheton verweist nur auf den in Italien beschriebenen Typus, nicht auf das Verbreitungsgebiet. - Italienischer Aronstab (Arum italicum)
Ein Aronstabgewächs, dessen weiß geaderte Blätter im Winter austreiben, wenn andere Stauden längst eingezogen sind. - Ichang-Zitrone (Citrus ichangensis)
Auch Ichang-Papeda. Die Zitruspflanze aus China gilt als besonders kältetolerant und dient dort als schwachwachsende Veredelungsunterlage für Orangen. - Ignatius-Brechnuss (Strychnos ignatii)
Auch Ignatiusbohne genannt. Sämtliche Pflanzenteile enthalten die stark giftigen Indolalkaloide Strychnin und Brucin.
Worauf du bei I-Listen achten solltest
Weil sich mit den Vorsilben Indisch-, Indianisch-, Italienisch- und Immergrün- beliebig viele Namen bilden lassen, stehen in vielen Aufstellungen Pflanzen, die es so nicht gibt. Ein Eintrag wie Indisches Berggras oder Indianisches Pfefferkraut ohne wissenschaftlichen Namen lässt sich schlicht nicht überprüfen – und meist steckt auch keine reale Art dahinter.
Ein zweiter Klassiker sind Dubletten. Aegle marmelos etwa läuft als Indische Quitte, als Belbaum und als Madjobaum. Wer die Namen nicht abgleicht, führt dieselbe Art dreimal auf.
Und noch eine hartnäckige Verwechslung: Die Wurzel, aus der ursprünglich Marshmallows hergestellt wurden, stammt vom Echten Eibisch (Althaea officinalis) – einer europäischen Pflanze aus der Familie der Malvengewächse, die mit I nichts zu tun hat.
Fazit
Pflanzen mit I decken eine große Bandbreite ab: Der Ingwer liegt in jedem Supermarkt, die Indische Lotosblume hat der Materialforschung den Lotoseffekt geschenkt, aus der Indischen Schlangenwurzel wurde ein Blutdruckmedikament gewonnen, und die Indianerbanane bringt tropisch schmeckende Früchte an einem winterharten Baum hervor. Ein Blick auf den wissenschaftlichen Namen lohnt sich hier besonders – er verrät dir, ob eine Pflanze wirklich aus Indien kommt oder ob nur ein historischer Irrtum im Namen steckt.
